Rappenlochschlucht


Im Gütle liegen zwei der größten Schluchten Mitteleuropas, das Rappenloch und das Alploch. Diese sind durch Weganlagen bequem erschlossen. Eine gute Wegstunde genügt, um die Schluchten bis zur Ebniter Straße hinauf zu durchwandern. Die ersten Anfänge der Erschließung gehen in das Jahr 1862/63 zurück. Damals gab es bis zum Gütle nur einen schlechten Weg der dem Holztransport diente.



Franz Martin Hämmerle, der Gründer der bekannten Textilfirma, erkannte den Wert der hier vorhandenen Wasserkräfte für seine Fabrikanlagen und plante auf dem schmalen Areal im Gütle eine Spinnerei. 1896 wurde ein kühner Felssteig durch die Schlucht angelegt, damit der Wasserfluss kontrolliert werden konnte. Zwischen 1897 und 1899 errichtete die Stauweihergenossenschaft, eine Interessensvertretung verschiedener Dornbirner Werksbesitzer, die Stauweiheranlage welche die Ebniter Ach zum Staufensee aufstaute.



Dabei wurde die wenige Jahre zuvor neu errichtete Kiessperre mehrere Meter erhöht. Eine 22 Meter hohe und an ihrem Fuss 9 Meter dicke Staumauer entstand. Zur selben Zeit erbaute die Gemeinde Dornbirn auf Vorschlag von Viktor Hämmerle das Kraftwerk Ebensand, sodass Dornbirn elektrisch beleuchtet und 1901 die elektrische Bahn Dornbirn-Lustenau betrieben werden konnte.



Die Frage nach dem Ursprung der Namen der Schluchten lässt sich offenbar nicht einfach beantworten da sie leider in keiner alten Urkunde erklärend belegt sind. Manche denken dabei wohl an die bei uns als "Rappen" bekannten Krähen, die aber eher in der Nähe von Äcker oder im Ried angesiedelt sind. Leute mit Zugang zu bewusstseinserweiternden Drogen, behaupten links oben in den Wänden vor dem Tunnel Gebilde in Form sich aufbäumender, schwarzer Pferde (in unserem Dialekt ebenfalls "Rappen" genannt) zu erkennen.



Wen solche Deutungen nicht überzeugen, wird sich vielleicht am ehesten des bei uns freilich schon seit Jahrhunderten ausgestorbenen "Waldrappen" erinnern, der einzigen europäischen Ibisart dem wohl sein bei Feinschmeckern besonders beliebtes, zartes Fleisch zum Verhängnis geworden ist: der Waldrapp pflegt nämlich tatsächlich in solchen einsamen Fels- und Waldschlünden, die dem Kulturland nahe sind, zu wohnen und sein auffallendes Wesen könnte wohl geeignet gewesen sein, die Aufmerksamkeit unserer Vorfahren auf sich zu ziehen.



Nach wie vor unklar ist die Herkunft des Namens "Alploch" für den hinteren Teil der Schlucht nach dem Staufensee. Die Verwendung der Schlucht als Weg für den Viehauf- und/oder Abtrieb zu einer Alpe oder Bergweide ist nicht denkbar. Noch weniger kann die alte Grundbedeutung des Wortes "Alp" für Berg bzw. Gebirge inmitten einer ausgedehnten Berglandschaft ausgerechnet für dieses kurze Stückchen des Laufs der Ebniter Ache gemeint sein. Kurz gesagt: wir kennen den alten Sinn dieses Wortes also nicht.



Am Ende ist es doch egal ob die Namen erklärt oder irgendwo hergeleitet werden können oder nicht. Sehen wir uns das schöne Fleckchen Heimat einfach nur an und genießen es. Alles andere ist doch nur nebensächlich ... nicht wahr?



Nachtrag

Am 10. Mai 2011 ereignete sich nach langanhaltenden Regenfällen ein gewaltiger Felssturz der die Rappenlochbrücke zerstörte und die Rappenlochschlucht für über zwei Jahre nicht mehr begehbar machte. Die Rappenlochbrücke war seit 1955 als Teil der Ebniterstraße die Hauptverbindung von Dornbirn ins Ebnit. Nach dem Felssturz waren die Wege in der Schlucht verschüttet und wurden wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Im Sommer 2013 wurde die neue Steganlage schließlich wieder freigegeben, allerdings ist nun ein durchwandern der Schlucht nicht mehr möglich. Stattdessen verläuft die neue Steganlage nun oberhalb des Felssturzes der Felswand entlang. Für Wanderer mit Höhenangst ein kribbelndes Erlebnis, beeindruckender war aber der frühere Wanderweg durch die Schlucht.